Technologiewechsel im deutschen Festnetz. Millionen Haushalte nutzen noch DSL über alte Kupferleitungen. Doch die Anforderungen durch Homeoffice, Cloud-Dienste, Streaming, Industrieanwendungen und KI sind deutlich gestiegen. Politik, Regulierung und Telekommunikationsbranche bereiten deshalb die schrittweise DSL-Abschaltung und den Wechsel auf Gigabit-Netze vor.
Deutschland liegt beim Umstieg auf moderne Netze hinter mehreren europäischen Ländern zurück. Während Spanien, Portugal, Frankreich und Norwegen den Kupferausstieg bereits weitgehend vollzogen haben, oder deutlich weiter sind, nutzen hierzulande noch rund 24 Millionen Haushalte DSL. Der Rückstand betrifft damit auch Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und digitale Souveränität.
Ein bedeutender Wirtschaftsfaktor: Eine Studie von DIW Econ kommt zu dem Ergebnis, dass ein konsequenter Wechsel bis 2030 eine zusätzliche Bruttowertschöpfung von bis zu 773 Milliarden Euro ermöglichen könnte. Die Abschaltung paralleler Kupferanschlüsse soll zudem die Migration beschleunigen, Investitionen erleichtern und den Wettbewerb stärken.
Kupferausstieg auf europäischer Ebene: Bis 2035 sollen alte DSL-Leitungen schrittweise verschwinden und moderne Glasfaser- und Gigabit-Infrastrukturen das digitale Rückgrat bilden. Die Bundesnetzagentur sieht für Deutschland einen sukzessiven Kupferausstieg ab 2030 vor und hat dafür erste Leitplanken formuliert. Konkrete Meilensteine und Abschaltkriterien sind allerdings noch nicht vollständig festgelegt.
Für Verbraucher bedeutet der geplante Wechsel keinen abrupten Verlust des Internetzugangs. Die DSL-Abschaltung soll über mehrere Jahre erfolgen, wobei Anschlüsse schrittweise auf Kabel-, Glasfaser- oder andere Gigabit-Technologien umgestellt werden. Gleichzeitig soll der Wettbewerb im Festnetz gestärkt werden, was den Verbrauchern mehr Auswahl bei den Anschlüssen ermöglichen könnte.