„Die anhaltenden Niedrigwasserlagen auf deutschen Wasserstraßen zeigen, wie verletzlich wichtige Teile der Logistikketten sind. Es wird deutlich, dass wir unsere Verkehrs- und Versorgungswege härten, resilient und redundant aufbauen müssen. Aus unserer Sicht braucht es dafür vor allem nachhaltige und wirksame Konzepte, um die Rahmenbedingungen für den Gütertransport in Deutschland und Europa deutlich zu verbessern. Vor allem auf der Schiene gäbe es Potenzial für erhebliches Wachstum im Güterverkehr, wenn die Rahmenbedingungen besser wären. Dazu gehört insbesondere eine deutlich bessere Förderung von Terminals des Kombinierten Verkehrs, um das deutsche Netz resilienter, leistungsfähiger und verlässlicher zu machen. Denn gerade im Kombinierten Verkehr zeigt sich, wie sich Verkehrsträger gegenseitig stärken können.
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die dafür nötigen politischen Beschlüsse herbeizuführen, um die KV-Infrastruktur zu stärken und in den kommenden Jahren besser auf Extremwetterlagen vorbereitet zu sein. Der Wirtschaftsstandort Deutschland braucht dauerhaft verlässliche Transportwege für seine Waren und Güter“, so VDV-Vizepräsident Joachim Berends.
Der Schienengüterverkehr kann grundsätzlich einen wesentlichen Beitrag leisten, wenn größere Gütermengen infolge von Niedrigwasser kurzfristig von der Binnenschifffahrt auf andere Verkehrsträger verlagert werden müssen. Das gilt insbesondere auch für schwere und Massegüter, die auf der Schiene sicher und effizient transportiert werden können. Voraussetzung dafür ist jedoch eine Infrastruktur, die auch unter hoher Belastung stabil funktioniert. Berends weiter: „Die aktuellen Niedrigwasserphasen machen deutlich, dass Deutschland belastbare und langfristige Antworten für seine Logistik braucht. Wer in solchen Situationen zusätzliche Kapazitäten für den Gütertransport mobilisieren will, muss die Schiene strukturell stärken. Dazu gehören vor allem mehr Investitionen in die Infrastruktur und eine gezielte, auskömmliche Förderung von Umschlagterminals für den Kombinierten Verkehr.“
Vermehrter Einsatz von Lang-LKWs ist keine Lösung
Aktuellen Forderungen nach einem vermehrten Einsatz von Lang-Lkw erteilt der Branchenverband eine klare Absage. „Angesichts der Gütermengen, die bei Niedrigwasser von der Binnenschifffahrt verlagert werden müssen, lösen solche Maßnahmen die strukturellen Probleme im Güterverkehr nicht. Sie schaffen keine nachhaltige Antwort auf die wachsenden Anforderungen an ein krisenfestes und klimafreundliches Transportsystem. Denn auch die Straßen sind bereits überlastet und kommen an bauliche Grenzen. Mehr LKW mit höheren Lasten verschärfen das Problem von bereits sanierungsbedürftigen Brücken und Straßen. Die Schiene ist in der Lage, große und schwere Gütermengen zuverlässig zu transportieren – auch und gerade im Zusammenspiel mit Binnenschifffahrt und Straßengüterverkehr im sogenannten Kombinierten Verkehr. Damit dies aber dauerhaft sichergestellt werden kann, müssen Terminals ausgebaut, Kapazitäten gestärkt und die Infrastruktur modernisiert werden“, erklärt VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff.
Denn Terminals sind zentrale Schnittstellen für die Verlagerung von Gütern zwischen den Verkehrsträgern. Wenn mehr Transporte flexibel und effizient auf die Schiene gebracht werden sollen, müssen diese Anlagen schneller geplant, ausreichend gefördert und bedarfsgerecht ausgebaut werden. Besonders beim Kombinierten Verkehr zeigt sich laut VDV jedoch erheblicher Handlungsbedarf, der sich zuletzt noch verstärkte. Dem hohen Förderbedarf von über 600 Millionen Euro, die sich aus den Anträgen zur KV-Förderung des Bundes 2025 ergeben, steht in der aktuellen Haushaltsplanung des Bundes für 2026 nur ein Mittelansatz von 90 Millionen Euro gegenüber. Für 2027 sind sogar nur noch 73 Millionen Euro geplant. Hier muss schnellstmöglich gegengesteuert werden.
Der VDV appelliert daher an die politischen Entscheidungsträger, die aktuellen Herausforderungen durch Niedrigwasser zum Anlass zu nehmen, die Resilienz des Güterverkehrssystems insgesamt zu stärken. „Notwendig sind langfristige Investitionen und nicht nur kurzfristige Sondermaßnahmen. Nur mit einer leistungsfähigen Schieneninfrastruktur und starken Knoten im Kombinierten Verkehr kann Deutschland seine Transportketten robuster, klimafreundlicher und krisenfest aufstellen“, so Wolff abschließend.