Das BSI setzt auf regulatorischer Ebene mit dem neuen Kriterienkatalog C3A einen wichtigen Orientierungsrahmen, der Unternehmen erstmals erlaubt, Cloud-Dienste systematisch nach Souveränitätseigenschaften zu bewerten.
Die DPMA-Analyse zeigt, dass deutsche Unternehmen insbesondere im Bereich Computertechnik und KI-Patente aufholen – ein Zeichen wachsender technologischer Eigenständigkeit.
Laut der IONOS-Studie wünscht sich mehr als die Hälfte des deutschen Mittelstands europäische KI-Anbieter. Das Misstrauen gegenüber außereuropäischen Plattformen ist erheblich.
Der Swisscom Threat Radar 2026 unterstreicht, dass digitale Souveränität auch aus sicherheitspolitischer Perspektive zur strategischen Voraussetzung unternehmerischer Handlungsfähigkeit wird.
Ein Schwerpunkt betrifft die Auseinandersetzung um staatliche Überwachungsbefugnisse und den Schutz persönlicher Daten. AlgorithmWatch kritisiert die geplanten Gesetzesentwürfe zur biometrischen Überwachung scharf als europarechtswidrig; die Kabinettsbeschlüsse vom 29. April stießen auf breiten zivilgesellschaftlichen Widerstand.
In dieselbe Richtung weist die noyb-Analyse, die zeigt, dass 83,5 Prozent aller DSGVO-Auskunftsersuchen unzureichend beantwortet werden – ausgerechnet während die EU-Kommission unter Lobbydruck die Betroffenenrechte einschränken möchte.
Ebenfalls unter Druck gerät das Energieeffizienzgesetz: Faktisch könnten Rechenzentren von Transparenzpflichten befreien werden, was durch die rechtliche Einschätzung von zwei Juristinnen als unzulässig eingestuft wird.
KI durchdringt nahezu alle Lebensbereiche – mit ambivalenten Folgen. Die Studie zur Mediennutzung der Gen Z zeigt, dass KI-Zusammenfassungen zwar verbreitet genutzt, aber häufig unkritisch übernommen werden, was journalistische Qualitätssicherung umso wichtiger macht.
Die Sicherheits-Experten von ESET und Kaspersky belegen, dass KI-Werkzeuge zunehmend zur Entwicklung von Schadsoftware eingesetzt werden, etwa bei EDR-Killern und der NGate-Malware.
Demgegenüber stehen konstruktive Anwendungen: Das Übersetzungsprogramm „Alas“ erschließt die fünf rätoromanischen Idiome, und eine Studie der Frankfurt UAS zeigt, dass Energielabeling für KI-Modelle das Nutzungsverhalten messbar in Richtung Nachhaltigkeit verschiebt – allerdings mit unbeabsichtigten Qualitätswahrnehmungseffekten.
Immer wieder im Mittelpunkt steht der Schutz vor alltäglichen Bedrohungen wie dem „Hallo Mami“-Betrug über iMessage.
Software in der Schweiz bis doppelt so teuer. Der Konsumentenschutz fordert ein Ende der Geoblocking-Praktiken bei Softwareanbietern gegenüber Schweizer Verbrauchern.
Und es steht ein Führungswechsel bei Apple an: John Ternus wird Tim Cook als CEO ablösen.
Next Up
Die bevorstehenden Wochen werden durch die Folgen des Kabinettsbeschlusses zur biometrischen Überwachung geprägt sein. Nachdem die Gesetzentwürfe am 29. April das Bundeskabinett passiert haben dürften, ist mit einer intensivierten parlamentarischen und öffentlichen Debatte zu rechnen. Zivilgesellschaftliche Akteure wie AlgorithmWatch werden die Petition weiter vorantreiben und in den Bundestag tragen; angesichts der Skepsis auch in Teilen der SPD und der Opposition ist eine kontroverse erste Lesung zu erwarten.
Parallel laufen die Trilog-Verhandlungen zum KI-Omnibus auf EU-Ebene auf die Zielgerade zu. Die bis Ende April angekündigte Einigung – insbesondere zum Deepfake-Verbot und zu den umstrittenen Einschränkungen bei den DSGVO-Betroffenenrechten – könnte in den ersten Maitagen formell bestätigt oder verschoben werden. Noyb und europäische Datenschutzorganisationen dürften umgehend reagieren.
Im Bereich Cloud-Souveränität ist mit wachsender Resonanz auf die BSI-C3A zu rechnen: Erste Stellungnahmen von Cloud-Anbietern und Wirtschaftsverbänden sowie Ankündigungen zu geplanten Audits sind wahrscheinlich. Zudem wird das BSI laut eigener Ankündigung noch im zweiten Quartal 2026 einen Leitfaden für C3A-Audits sowie eine deutschsprachige Version des Katalogs veröffentlichen – entsprechende Vorabinformationen könnten bereits in diesem Zeitraum kursieren.
Die Cybersicherheitslage bleibt angespannt: Angesichts der dokumentierten Zunahme von EDR-Killern und NFC-basierter Malware ist mit weiteren Lageberichten und Warnmeldungen nationaler CERTs zu rechnen. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur IP-Adressen-Speicherung, wird voraussichtlich auf Kritik aus der Telekommunikationsbranche stoßen – insbesondere bezüglich der Umsetzungsfristen und der faktisch möglichen Verlängerung der Speicherdauer.
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References: algorithmwatch.org – apple.com – bagso.de – bitkom.org – bsi.bund.de – bitmi.de – dpma.de – eset.com – frankfurt-university.de – game.de – gmx.net – ionos.de – kaspersky.de – konsumentenschutz.ch – ncsc.admin.ch – noyb.eu – samsung.com – swisscom.ch – transferstelle-cybersicherheit.de
