Mehr als 55.000 Menschen unterstützen bereits die Digitalzwang-Petition, die Digitalcourage initiiert hat. Zum Tag des Grundgesetzes wird die Petition in Berlin überreicht. Bis Ende Mai möchte die Organisation mindestens 75.000 Unterschriften sammeln, um den Druck auf die Politik zu erhöhen.
Fahrkarten per App und Behördentermine ausschließlich online stellen viele Menschen vor Hürden. Nicht alle wollen oder können digitale Geräte nutzen. Die Bundesregierung setzt auf „Digital Only“ bei Verwaltungsleistungen. Das schließt Menschen ohne Smartphone aus. Der Digitalzwang-Melder von Digitalcourage zeigt täglich neue Beispiele, um diese Einschränkungen zu dokumentieren.
Rena Tangens, Mitgründerin von Digitalcourage, betont, dass Digitalisierung die Teilhabe erleichtern darf, aber nicht zur Voraussetzung werden soll, weil sonst Menschen ausgeschlossen werden. Analoge Alternativen sichern die Teilhabe, insbesondere für Menschen, die keine digitalen Geräte nutzen oder Daten nicht weitergeben wollen. Diese Maßnahmen sollen ergänzend wirken, damit niemand von Grundversorgung ausgeschlossen wird.
Das Statistisches Bundesamt zeigt, dass rund 2,1 Millionen Menschen zwischen 16 und 74 Jahren das Internet nie genutzt haben. Besonders auffällig ist die Gruppe der 65- bis 74-Jährigen, von denen etwa 10 % offline sind, wodurch der Zugang zu Dienstleistungen erschwert wird. Auch soziale Faktoren wie geringe finanzielle Mittel verschärfen die digitale Ausgrenzung, wenn aktuelle Geräte oder Datenvolumen fehlen.
Die Petition fordert eine Ergänzung von Artikel 3 des Grundgesetzes, damit niemand benachteiligt wird. Digitale Angebote sollen die Verwaltung verbessern und ergänzen, ohne analoge Zugänge zu ersetzen. Jede Unterschrift erhöht den Druck auf die Politik, die Digitalisierung inklusiv zu gestalten, damit alle Menschen weiterhin Zugang zu wichtigen Diensten haben.