Die globale Unternehmenswelt blickt 2026 auf ein Risikoumfeld, das nicht nur komplexer, sondern auch schneller geworden ist: Cyberangriffe bleiben das größte Geschäftsrisiko, während Künstliche Intelligenz in einem historisch schnellen Sprung in die Spitzengruppe der Bedrohungen aufrückt.
Das zeigt der heute veröffentlichte Allianz Risk Barometer 2026, für den internationale Expertinnen und Experten aus Industrie, Versicherung und Risikomanagement die wichtigsten Gefahren für Unternehmen bewertet haben.
1) Platz 1 bleibt unangetastet: Cyber – und Ransomware als Dauerkrise
Cybervorfälle rangieren zum fünften Mal in Folge auf Platz 1 der globalen Risiken. Das ist bemerkenswert, weil sich Cyber längst von einem IT-Problem zu einem strategischen Unternehmensrisiko entwickelt hat: Produktionsausfälle, Lieferkettenstörungen, Imagekrisen, Datenschutz-Kosten und Lösegeldforderungen treffen Unternehmen jeder Größe.
Die Allianz betont dabei besonders die Rolle von Ransomware. Angriffe sind nicht nur häufiger geworden, sondern professioneller organisiert – inklusive Erpressungsmodellen, bei denen Unternehmen doppelt unter Druck geraten: einmal durch Systemstillstand und zusätzlich durch die Drohung, sensible Daten zu veröffentlichen.
Trend-Lesart: Cyber ist kein Einzelrisiko mehr – es ist der „Domino-Auslöser“ für Folgekrisen: Stillstände, Vertragsstrafen, Umsatzeinbrüche, Rechtskosten.
2) Der große Aufsteiger 2026: KI wird zum Risikofaktor Nr. 2
Der auffälligste Punkt des Berichts: Künstliche Intelligenz steigt von Platz 10 auf Platz 2. Damit wird KI nicht mehr nur als Chance gesehen, sondern als neue Risiko-Kategorie, die nahezu alle Unternehmensbereiche betrifft – vom Kundenservice über HR bis zur Produktentwicklung.
Allianz beschreibt KI als komplexes Bündel aus operativen, rechtlichen und Reputationsrisiken, z. B.:
fehlerhafte Entscheidungen durch KI-Modelle
Halluzinationen in generativen Systemen (Falschinformation)
Diskriminierung/Compliance-Risiken (Bias)
IP-/Copyright-Gefahren durch Trainingsdaten
Datenschutz- und Regulatorikrisiken (u. a. EU-Kontext)
Abhängigkeit von wenigen Plattformanbietern
Wichtig: KI wird laut Allianz in fast allen Regionen als Top-Risiko wahrgenommen – und rückt auch bei kleinen und mittleren Unternehmen in die kritischen Top-3, obwohl diese oft weniger Ressourcen für Governance und Security haben.
3) Business Interruption: Risiko-Klassiker wird noch gefährlicher
Betriebsunterbrechung (Business Interruption) bleibt ein Top-Thema. Das ist nachvollziehbar: Viele Risiken wirken heute nicht mehr isoliert, sondern als Kaskade. Eine Ransomware-Attacke ist nicht nur IT-Schaden – sie ist Betriebsstillstand. Ein geopolitischer Konflikt ist nicht nur Politik – sondern Lieferkettenbruch.
Der Bericht macht damit klar: „Unterbrechung“ ist das wirtschaftliche Endprodukt vieler Risiken.
4) Geopolitik rückt nach oben: Politische Risiken auf Höchststand
Die Allianz sieht geopolitische Turbulenzen als zunehmend relevantes Unternehmensrisiko. Politische Risiken und Gewalt steigen auf ihren höchsten Stand seit Beginn der Erhebung – inklusive Sorgen um Kriegsfolgen, Sanktionen, Handelskonflikte, Sabotage und soziale Instabilität.
Trend-Lesart: Geopolitik ist längst ein betriebswirtschaftlicher Faktor – mit konkreten Konsequenzen für Standortentscheidungen, Beschaffung, Produktionsverlagerung und Versicherbarkeit.
5) Klimarisiken bleiben relevant – aber anders als gedacht
Bemerkenswert ist: Klimawandel fällt 2026 in der globalen Rangliste zurück. Das heißt nicht, dass die Gefahr geringer wäre – vielmehr verschiebt sich die Risikowahrnehmung.
Allianz betont, dass Klimarisiken vor allem über Extremwetter und logistische Störungen in Unternehmen „einschlagen“: über Lieferketten, Materialverfügbarkeit, Transportwege, Produktionsstätten.
6) Feuer, Explosion & physische Schäden: Oldschool – aber teuer
Neben digitalen Risiken behalten klassische Gefahren Bedeutung. Feuer und Explosion sind weiterhin unter den globalen Top-10 – und wirken oft unterschätzt, obwohl sie existenziell sein können. In Kombination mit modernen Produktionsprozessen, Chemie, Batterien, Elektronik und Verdichtung von Infrastruktur steigt die potenzielle Schadenshöhe.
Was Unternehmen jetzt tun müssen: Vom Risikomanagement zum „Resilience Operating System“
Der Allianz Bericht zeigt sehr klar: 2026 ist kein Jahr für „Checklisten-Sicherheit“. Risiken sind stärker vernetzt. Deshalb gewinnen drei Strategien enorm an Bedeutung:
Cyber Resilience statt nur Cyber Security
(Backup-Strategien, Redundanzen, Zero-Trust, Incident-Prozesse)AI Governance als Pflichtprogramm
(Modellkontrolle, Risikoklassifizierung, menschliche Letztentscheidung, Audit-Fähigkeit)Krisenfähigkeit in Echtzeit
(Szenarioplanung, Lieferanten-Alternativen, geopolitische Frühindikatoren)
Fazit
Der Allianz Risiko-Bericht 2026 ist in einem Punkt unmissverständlich: Cyber bleibt die größte Gefahr – aber KI wird zum neuen systemischen Risikotreiber, weil sie in Rekordtempo in Prozesse eingebaut wird, die bislang stark von Menschen kontrolliert waren. Für Unternehmen wird 2026 damit zum Jahr der doppelten Herausforderung: Digitalisierung beschleunigen – ohne die Steuerbarkeit zu verlieren.
Quellen:
Allianz Commercial: Press release „Allianz Risk Barometer 2026: Cyber remains top business risk but AI fastest riser at #2“ (14.01.2026)
Allianz Commercial: Allianz Risk Barometer Übersichtseite 2026
Allianz Commercial: Expert Article „Allianz Risk Barometer 2026 – Artificial intelligence“
Allianz Commercial: Expert Article „Allianz Risk Barometer 2026 – Climate change“
Business Insurance: „AI jumps to second place in top business risks: Allianz survey“ (13.01.2026)
Risk & Insurance: „Cyber Threats Dominate Global Risk Landscape as AI Emerence Reshapes 2026 Outlook“ (14.01.2026)
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